Von Aleks 5. Januar 2026
Was für ein Jahr!
Hufbearbeitung ist intensives Lernen, das definitiv nicht mit der “Abschlussprüfung” einer Hufausbildung endet, sondern da eigentlich erst so richtig Fahrt aufnimmt. Das Jahr 2025 war für mich also wieder mal ein fleißiges Weiterbildungsjahr, in dem ich mir viele neue Perspektiven und Ansätze mitnehmen durfte, die in der Praxis nun regelmäßig zur Anwendung kommen. Und natürlich war auch viel theoretisches “Hintergrundwissen” dabei, das meinen Kundenpferden jetzt ebenso zugute kommt.
Ein kleiner Rückblick auf 2025
Drei spannende Tage Hufrehe-Symposium
Das erste große Live-Event war das Hufrehe-Symposium im Juni - mit gleich vier externen Vortragenden: Johann Wawra, Heike Bussang, Jasmin Pekrul und Julia Hruza. Für mich ein Feuerwerk an Input.
Sei es die unfassbar klaren Antworten und Einschätzungen zu spannenden Fallbeispielen von Johann Wawra, die mir für meine eigene Kundenkommunikation wirklich eine Inspiration sind. Denn klare Kommunikation, die ein Verständnis für die Erkrankung schafft, ist gerade bei Hufrehe unfassbar wichtig - es gibt mehr als genug Bullshit im Internet zu dem Thema und es ist wichtig, als Hufprofi wirklich klare Worte zu finden.
Heike Bussang, die als Tierärztin eine auf Hufrehe spezialisierte Praxis sowie einen Einstellbetrieb betreibt und nebenbei u.a. eine Expertin für das Thema Weidemanagement und zuckerarmes Heu ist, berichtete über Grenzen und Möglichkeiten ihrer Hufrehe-Intensivstation und ihren Rehe-Beschlag und beantwortete bis spät am Abend unsere vielen Fragen. Ich konnte mir da u.a. wahnsinnig viel zum Thema Ethik bei Hufrehefällen mitnehmen, inkl. Input zum Thema Euthanasie - ein Thema, mit dem man sich als Pferdemensch natürlich nicht so gern befasst, das aber wahnsinnig wichtig ist.
Die wunderbare Jasmin Pekrul, die Hufrehe-Polster beherrscht wie kaum ein anderer, wirklich alles über den Hufbeinträger weiß (und wenn sie mal nicht weiß, dann fragt sie gleich Prof. Chris Pollitt und der antwortet dann auch richtig schnell, außer durch die Zeitverschiebung ist es bei ihm gerade Nacht) und nicht müde wird, es auch zu erklären. Sie hat uns kreativ und anschaulich den Hufbeinträger auf Zellebene erklärt. Und
Von Jasmin und Heike durfte ich 2025 übrigens dann auch noch auf anderen Veranstaltungen zum Thema Hufrehe weiter lernen.
Ganz viel Theorie, aber auch viel zum Angreifen und Anschauen beim Hufrehe-Symposium am Dreierhof im Juni 2025
Und dass wir die auch Julia Hruza an Bord holen konnten, sie ist mobile Pferdetierärztin in und rund um Wien und ich arbeite regelmäßig und super gern mit ihr zusammen (richtig gute Röntgen und immer up-to-date, was Blutdiagnostik usw. betrifft), war die beste Fügung des Universums ever. ;-) Es ist als Hufbearbeiterin unbezahlbar, ein gutes Netzwerk an Tierärzt*innen zu haben, mit denen man gut zusammenarbeiten kann, und nachdem Julia in derselben Gegend unterwegs ist wie ich, ist das für mich natürlich ein besonderer Jackpot.
Und auch die detaillierte Vorbereitung meiner eigenen Vorträge für das Symposium, für die ich gefühlt hunderte Studien zu Insulinresistenz und PPID gelesen habe, hat mein Verständnis noch mehr geschärft und auf den aktuellsten Stand der Forschung gebracht.
Das Nerd-Ferienlager
Unsere Weiterbildungen am Michaelihof in der Steiermark waren eins meiner Sommer-Highlights. Drei Tage durften wir von Tierarzt Tomas Teskey lernen. Es waren so viele Einblicke in ganzheitliche Zusammenhänge am Pferd dabei. Gerade was den Zusammenhang von Hufen und Zähnen betrifft, war ich bei einigen Fallbeispielen wirklich “mind-blown”. Auch das viele Sezieren hat mir geholfen, die Zusammenhänge zwischen innen und außen am Huf noch präsenter vor meinem inneren Auge zu haben.
Hundert Mal gesehen, jedes Mal faszinierend: Pferdehuf von innen mit Tomas Teskey
Dann das Seminar mit Ula Krzanowska (The Hoof Architect) zu Gliedmaßenstellung und schiefen Hufen - ich traue mich nach dieser Weiterbildung so viel mehr an Korrekturen. Das alles so perfekt illustriert zusammengefasst zu bekommen, hat mir wirklich was gebracht. Aber von Ula hab ich auch in den 5 Tagen, die wir zusammen verbracht (und abends Wein getrunken) haben, so viel gelernt. Sie hat von vielen, vielen Fallbeispielen und Erkenntnissen erzählt, es war einfach inspirierend (und wir haben auch richtig viel gelacht).
Bis spät in die Nacht über Hufe quatschen, so geht Hufnerd-Ferienlager.
Nachdem nicht nur die Vortragenden, sondern auch viele Kolleginnen und Kollegen vor Ort übernachtet haben, war es einfach insgesamt eine wunderschöne Zeit mit Austausch von Früh bis Spät.
Nochmal drei Tage Hufrehe(polster)
Ende Juli ging es dann nochmal weiter mit dem Thema Hufrehe: drei Tage, in denen sich alles um Hufbeinträger und Hufrehe-Polster drehte. Jasmin Pekrul (again) und Kerstin Janßen hatten uns fantastischen Input mitgebracht. Hufrehe-Polster kann man definitiv nicht oft genug üben, denn am Hufrehe-Pferd, das oft aufgrund enormer Schmerzen nicht lange auf drei Beinen stehen kann, muss es schnell gehen.
Ein ideal platziertes (!) Hufrehe-Polster kann manchen Hufrehe-Pferden sehr helfen und den Hufbeinträger entlasten.
Die supernette Runde an Kolleginnen war die “Kirsche auf der Torte”. Und weil’s so schön war, haben wir uns gleich zu einer nächsten Fortbildung verabredet, nämlich:
Fachhuf 2025 - noch mehr Input zum Thema Hufrehe
Auch bei der Fachhuf-Tagung, die an der Uni Hildesheim in wahnsinnig netter Runde stattfand (inkl. der sehr kleinen aber umso tolleren Gruppe an österreichischen Kolleginnen), ging es um das Thema Hufrehe. Eins meiner Highlights dort: die Vorträge von Jenny Hagen, in denen es u.a. um Schmerzen beim (Hufrehe-)Pferd und um die Auswirkungen von Hufrehe auf den ganzen Pferdekörper ging. Daria Stöcker aus der Schweiz hatte u.a. einen spannenden Vortrag zum Thema Röntgen und wie viel die korrekte Perspektive der Aufnahme ausmacht. Und es war toll, nochmal Input von Heike Bussang zu bekommen, die aus ihrer Praxis einfach so viele Fallbeispiele hat, von denen man wirklich viel lernen kann. Natürlich auch besonders cool: dass Prof. Chris Pollitt zugeschaltet war - und auch irgendwie vor Ort, wenn auch nur aus Karton. ;-)
When Austria meets Australia - die österreichische Delegation (u.a. Kollegin Andrea Schmaderer, der ich heuer übrigens einen Tag lang bei der Arbeit über die Schulter schauen durfte - DANKE!) posiert mit Christopher Pollitt - er war für seinen Vortrag direkt aus Australien zugeschaltet, aber auch lebensgroß vor Ort.
Es tut sich was im Pferdetraining
Auch die Weiterbildung im Bereich Pferdetraining kam 2025 nicht zu kurz. Ich übernehme ja oft “schlimme” oder traumatisierte Pferde und habe die Erfahrung gemacht, dass strukturiertes Training mit Futterlob hier einfach der Ansatz ist, der für die Pferde und mich am besten funktioniert, damit ich möglichst bald und gefahrlos Hufe machen kann. Aber einfach nur Leckerlis reinstopfen ist noch lange kein Training. Es braucht einen Plan, gutes Timing, das richtige Futter, ein durchdachtes Setup - und für all das braucht man viel Hintergrundwissen.
Ein besonderes Highlight war für mich also die 5-tägige Weiterbildung mit Angelica Hesselius im September, bei der es u.a. genau diese Basics ging - Trainingspläne, PORTL (Portable Operant Research and Teaching Lab), wie wird Futterlob serviert, wie präzise muss ich mit dem Clicker sein, brauche ich überhaupt einen Clicker, usw. (Shoutout an Disco Cavallo für die Organisation!)
Bestes Übungspferd (meins ;-))
Wie gut positive Verstärkung (R+) funktioniert, haben wir auch beim Huftrainings-Workshop mit Iris Starnberger unter Beweis gestellt. Einige Kundinnen von mir waren als Teilnehmerinnen dabei und die dazugehörigen Pferde stehen seitdem so viel entspannter bei Hufterminen!
Die “R+ Weiterbildungstage” haben dann die Vorträge aus dem dreitägigen R+ Horse Summit, an dem ich im November teilgenommen habe, perfekt abgerundet.
Weiterbildung ohne Reisekosten - Webinare sei Dank
Neben dem R+ Horse Summit gab es aber auch einige andere Onlineveranstaltungen, die ich 2025 besucht habe. Der große Vorteil daran ist, dass man so auch Vortragende anhören kann, die in Amerika oder Australien sitzen und das ist einfach so viel anschaulicher als “nur” ihre Studienergebnisse zu lesen. Und das war da u.a. dabei:
- Laboklin Online Pferdetag, u.a. ging es da um das Equine Metabolische Syndrom und außerdem gab es super Input von Prof. Dr. Ingrid Vervuert „Spurenelemente in der Pferdefütterung: Der Spagat zwischen Sinn und Unsinn von Ergänzungen“.
- Spannende Webinare mit dem “Hufrehe-Papst” Prof. Chris Pollitt, der nicht nur unfassbar klug sondern auch richtig humorvoll ist.
- Webinare mit Dr. David Rendle, der in der endokrinologischen Forschung eine wichtige Rolle spielt und sich insbesondere mit den Themen PPID und EMS sehr intensiv auseinander setzt.
- Webinare mit Fütterungsexpertin Conny Röhm - natürlich ging es auch da viel um Übergewicht beim Pferd, inkl. EMS & IR.
- Ein Webinar mit Dr. Robert Bowker zum Thema bone remodelling, also wie sich Knochen, wie z.B. das Hufbein bei Hufrehe, “umbauen” - wobei das Wort sehr euphemistisch ist, denn die Knochen werden unwiderbringlich abgebaut.
- Eine Webinarserie zu Hufbearbeitung und Hufrehe bei Eseln mit Ross Keller. Leider ist Hufrehe auch bei Eseln bei unserem Überangebot an Futter ein sehr häufiges Problem.
- Und dann gab’s noch so einiges andere Webinare, zum Beispiel zum Thema Blutdiagnostik, Rückenschmerzen bei Pferden, Probleme, die durch die moderne Sportpferdezucht entstehen, oder den bei mir besonders beliebten Businessthemen wie Buchhaltung…
Ist zwar ein Symbolbild von einer Konferenz zwei Jahre zuvor, sah aber 2025 meistens genauso aus ;-)
Und natürlich war da noch die Akademie
Last but not least - auch ich habe in diesem Jahr viel unterrichtet - und zwar als Teil der Akademie für angewandtes Pferdewissen. Fantastische Huf- und Klebekurse, lehrreiche Praxistage, ein sehr gut besuchtes Webinar zum Thema Hufrehe (mit Aufzeichnung), und natürlich Mitfahrpraktikantinnen und -praktikanten, die mich auf so vielen Huftouren begleitet haben.
Ich kann den ganzen Tag über Hufe reden - und am Hufkurs ist das zum Glück auch gewünscht ;-)
Eins der schönsten Dinge ist für mich, dabei zusehen zu dürfen, wie Menschen, die früher noch nicht mal auf die Idee gekommen wären, eine Raspel in die Hand zu nehmen, richtig gut Hufe bearbeiten lernen. Oder Kundinnen, die sich als handwerklich völlig unbegabt einschätzen, absolut fantastische Klebebeschläge machen und sich gar nicht mehr vorstellen können, dass sie jemals an sich selbst gezweifelt haben.
Wenn Hufkundinnen beginnen, das Wissen aktiv in die Praxis umzusetzen - ich lieb's!
Und für mich gab’s auch ein schönes internes Fortbildungs-Highlight: wir haben uns als Huf-Team der Akademie dieses Jahr mehrere Tage zusammengesetzt, Hufe bearbeitet und dabei über Unterschiede und Gemeinsamkeiten geredet. Wir haben durch diesen Austausch wahnsinnig viel gelernt. Manches davon war: es ist eigentlich egal, wie man diese bestimmte Sache macht - zu viel Dogma ist hier einfach ein Schwachsinn, denn unterschiedliche Ansätze funktionieren gleich gut. Und bei anderen Sachen konnte ich mir von den Kolleginnen nochmal viele praktische Sachen abschauen. Ich freu mich schon auf’s nächste Fachsimpeln. Miteinander statt gegeneinander.
Die besten HuffreuNde, die man sich wünschen kann: (v.r.n.l.) Milena Keil, Nathalie Kurz, Uschi Sündermann, Julia Jachs und ganz links bin ich ;-)
Auf der Pferdemesse in Wiener Neustadt waren wir heuer übrigens auch als Austellerinnen dabei und haben dort auch ganz viel Wissensvermittlung betrieben. Das Feedback unserer Stand-Besucher*innen war einfach überwältigend und wir hatten so eine Freude, mit ganz vielen Menschen 4 Tage lang über Hufe, Haltung, Fütterung und Training zu plaudern.
Am Akademie-Stand auf der Apropos Pferd mit Iris, Nathalie, Uschi und Ute - der Rest vom Akademie-Team war natürlich auch dabei, aber alle auf ein Foto ist leichter gesagt als getan ;-)
Ausblick
2026 geht es so ähnlich weiter… Ich hab mich schon für sieben Webinare rund um Hufe angemeldet, drei Tage Online-Konferenz zu Hufrehe, 3 Tage vor-Ort-Hufweiterbildung bei Andi Weishaupt (ich freu mich schon auf spannende Diskussionen und neue Perspektiven!), es gibt wieder einen mehrtägigen Sommer-Workshop zum Thema Training mit Angelica Hesselius. Dabei ist heute erst der 5. Jänner. ;-)
Den Input und das enorme, ganzheitliche Wissen von Jenny Hagen (erinnert ihr euch? siehe weiter oben bei Fachhhuf 2025), die nicht nur Tierärztin und Hufschmiedin ist, sondern zudem noch zahlreiche Zusatzausbildungen hat, haben wir gleich für 2026 eine superspannende Weiterbildung in Österreich organisiert.
Nebenbei gibt’s Fortbildungen wie Physio für Hufprofis und auch wieder (dieses Jahr sogar zwei) Huftrainigs-Workshops.
Im Laufe des Jahres werden sich sicher noch etliche Dinge ergeben und ich freue mich schon sehr darauf.
Genauso freue ich mich aber auch auf die Praxis - die vielen, vielen Huftermine, die 2026 anstehen. Die tollen Pferde, die ich begleiten darf. Die auf mich Acht geben und mir vertrauen. Die die wichtigsten Protagonisten in diesem ganzen “Huf-Business” sind und der Grund sind, warum ich jedes Jahr mehr und mehr lernen will - um bestmöglich für sie da sein zu können.